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    Ende von selbst-auferlegten Einschränkungen

    von Ulrich | 2. Februar 2013 - 10:21

    Nachdem ich genau ein Jahr (während 2012) streng nach veganen Konzepten gelebt habe, habe ich Ende 2012 Bilanz gezogen und bin dabei zu dem Schluss gekommen, dass für mich die Nachteile bei einer ausschließlich veganen Lebensweise schlichtweg überwogen.

    Abgesehen von dem Bewusstsein, sich ideal und sehr gesund zu ernähren, hatte ich aber auch mit folgenden Widrigkeiten zu kämpfen:

    1. Einschränkungen bei der Restaurant-Wahl: z.B. nach der Arbeit noch schnell zum Italiener gehen, um eine Pizza zu essen, war nicht möglich: entweder Einkehr in einem veganen Restaurant, oder  Sich-Begnügen mit einem Beilagensalat anderswo, oder erst gar nicht essen gehen. Dies nervte mich zum Schluss sehr – nicht einmal ein belegtes Brötchen am Hauptbahnhof (meist auf der Fahrt von der Arbeit nach Hause) war drin!
    2. Einschränkungen beim Einkaufen, vor allem bei Süßspeisen: das ständige Studieren der Inhalten-Liste (also um sicherzugehen, dass z.B. in einem Schokoriegel auch tatsächlich keine Milch oder Butter verarbeitet ist) nervt einfach!
    3. Zeit-Stress: ich arbeite meist bis 19h und habe einfach keine Zeit, mich ständig darum zu kümmern, ob Nahrungsmittel vegan sind oder nicht. Der einzige vegane Laden in München schließt bereits um 18h und hat zudem nur den ersten Samstag im Monat offen. D.h. Einkaufen von ausschließlich veganer Kost ist für mich nur eingeschränkt möglich. Und das vegane Restaurant in München ist abends so rappelvoll, dass ich nach der Arbeit schlichtweg keinen Platz mehr für mich ergattern kann! Da genehmige ich mir lieber ein Stück Pizza oder belegtes Brötchen!
    4. Einladungen bei Freunden: ständig musste ich irgendwelche Essensangebote ablehnen oder mir eine extra (Tofu-) Wurst braten lassen – dies engt ein und ist zudem für das soziale Miteinander nicht unbedingt förderlich! Bei mir ging es so weit, dass ich sogar dabei einen guten Freund verloren habe!
    5. Arbeits- und Berufsleben: ich wurde oft schief angeschaut, wenn ich mittags ausschließlich Rohkost zu  mir nahm und nachmittags auch noch mit meinen grünen Smoothies ankam. Seit Januar bin ich als Freiberufler in einem anderen Projekt für einen anderen Kunden tätig – und jetzt klappt auch das soziale Miteinander am Arbeitsplatz besser: ich werde nicht mehr als “abgehoben” oder als “Exot” betrachtet.
    6. Aussehen: ich persönlich neige per se zu eingefallenen Wangen – nur dieses Phänomen hat sich während meiner veganen Lebensweise arg verstärkt, so dass ich des öfteren negative Rückmeldung wegen meines Aussehens und auch wegen meiner Gesundheit bekam – ein Freund meinte sogar (obgleich nicht gerade sehr charamant), dass ich mit solch einem eingefallenen Gesicht bei der Akquise eines neuen IT-Projekts Schwierigkeiten bekommen dürfte.
    7. Hochmut: obgleich nicht bewusst, so glaube ich aber dennoch, einen gewissen Hochmut gegenüber Fleischessern ausgestrahlt zu haben, so nach dem Motto “ich ernähre mich viel besser als Ihr!”. Mir war dies zwar nie bewusst, es geschah bei mir nicht vorsätzlich – dennoch schließe ich aufgrund der Reaktion meiner Mitmenschen darauf, dass dem so war. Also auch nicht gerade förderlich für das soziale Miteinander.
    8. Einsamkeit: da viele meiner Freunde und Bekannte wussten, dass ich von meiner Ernährungsweise doch arg eingeschränkt war, wurde ich auch nicht mehr so häufig zu gemeinsamen Aktivitäten (die ja meist mit Essen verbunden waren) eingeladen. Somit begab ich mich selbst in eine soziale Isolation.

    Daher habe ich mich dazu entschieden, von nun an primär vegetarisch zu leben, und in seltenen Fällen Fleisch oder Fisch zu essen – also einen Mittelweg zu gehen, der auf Dauer auch annehmbar und machbar ist, ohne sich selbst ständig kasteien zu müssen! Einerseits achte ich sehr auf gesunde Ernährung (ich nehme nach wie vor grüne Smoothies, Gerstengrassaft, Lapocho-Tee, Obst-Müsli, etc. zu mir), andererseits sage ich auch nicht Nein, wenn mir ein Stück Pizza oder Käse-/Salami-Baguette angeboten wird. Ich denke, auf diese Art und Weise lebt es sich (zumindest nach meiner Erfahrung) einfach besser und entspannter!

    Last, but not least: die Psyche spielt bei der Gesundheit und beim allgemeinen Wohlbefinden eine nicht zu unterschätzende Rolle!
    Genuss und Lebensfreude gehören genauso zum Leben wie das Sicherstellen von Nährstoffen für den Körper. Und meine Erfahrung hat in den letzten 12 Monaten einfach gezeigt: zuviel “Gesundheit” kann auf Dauer auch krank machen ….

    Themen: vegan unter Menschen, vegane Gesundheit | Kommentare »

    Eine Antwort 7 Responseszu “Ende von selbst-auferlegten Einschränkungen”

    1. rica sagt:
      22. Februar 2013 - 11:41   

      Schade,dass du dich so entschieden hast!ich lebe seit 6 jahren vegan,nachdem ich über 10 jahre vegetarisch lebte und habe keinerlei probleme damit!
      es gibt vegane online shops,in denen man sich einen monatvorrat bestellen kann, bis auf spezielle ersatz produkte kaufe ich jedoch ganz normal auch in discountern ein (netto hat zb auch ein vegan zeichen auf seinen produkten)
      das argument mit den freunden fand ich sehr verwunderlich-wenn du nun auf einmal eine lactose unverträglichkeit, zucker oder etwas anderes entwickeln würdest,würden sie dich dann auch meiden?freunde aktzeptieren einen,wie man ist,das macht sie aus!und was die meißten vergessen:vegan können ALLE essen ;) es ist sozusagen der kleinste gemeinsame nenner.
      leute,die frisch veganer geworden sind,verzwifeln oft am anfang,da sie ihre ziele viel zu hoch setzten und jeden tag aufwendig kochen-am anfang macht es noch spaß,auszuprobieren,aber irgendwann nervt es.doch mal ehrlich:kocht man als omnivore auch jeden tag so aufwändig?macht man jedentag mousse au chocolat etc? wohl kaum.
      ich musste im studium sehr aufs geld achten und hatte trotzdem keine probleme,mich satt zu kriegen ;) und die einjährige blutuntersuchung war bisher immer okay.
      das nur mal als denkanstoß :) deine rezepte sind nämlich super.

    2. rica sagt:
      22. Februar 2013 - 11:41   

      *meisten

    3. Roland sagt:
      7. April 2013 - 18:45   

      Hallo Ulrich, Hut ab!
      Eine ehrliche und nachvollziehbare Entscheidung. Ich selber lebe vegetarisch und es schränkt mich in eigentlich nichts ein. Auch wenn ich ab und zu einen blöden Kommentar zu hören bekomme, ist es eine für mich klasse Ernährungsweise.
      Vegan, ist noch mal einen Schritt weiter.
      Wenn mir veganes Essen über den Weg läuft, gut und lecker, und wenn nicht, dann eben vegetarisch. ;-)
      Hauptsache man macht sich klar, was man isst und fühlt sich gut dabei.

    4. Mio sagt:
      29. April 2013 - 14:47   

      Hallo Uli. Klasse, dass Du es ein Jahr lang geschafft hast. Die meisten Menschen wollen sich mit diesem Thema nicht auseinandersetzen und verschließen/verdrehen die Augen. Die Verantwortung für unsere Gesundheit, das Wohl der Tiere, das Wohl der Menschen in der Dritten Welt und Erhalt unserer Umwelt+Klima liegt aber eindeutig bei uns. Es müssen mehr Menschen wach werden und aufhören sich manipulieren zu lassen, damit sich spürbar was ändert. Ich bin nicht besser oder schlechter, weil ich mich vegan ernähre, und ich kriege auch kein Geld dafür und es gibt auch keine Grünen Punkte, die ich im Himmel sammle, aber ich muss doch für mich entscheiden: In was für einer Welt möchte ich leben, welche Werte möchte ich weitergeben und was für eine Welt hinterlasse ich meinen Kindern? Und da muss ich sagen fällt mir die vegane Ernährung sehr leicht und außerdem schmeckt es fantastisch. Ich bin seit 2 Jahren von Vegetarisch auf Vegan umgestiegen, habe 3 Kilo abgenommen und vermisse keinen Gaumenkitzel der alten Tage. Danke für Deine leckeren Rezepte!

    5. Bettina sagt:
      7. Juli 2013 - 10:57   

      Hi,
      schade dass du aufgegeben hast. Es gibt in München durchaus einige vegane Restaurants, hier eine Auswahl:
      Max Pett nahe SendlingernTor bis 23 Uhr, Café Ignatz Georgenstr. Schwabing bis 23 Uhr, Vegelangelo am Isartor ab 18 Uhr, Boonian in der Schrannenhalle bis 20 Uhr, royales Kebabhaus für vegane Döner! Bis 22 Uhr, Gratitude Türkenstr. Schwabing bis 22 Uhr.
      Du siehst, kein Grund zu verzweifeln. In jedem BASIC oder Bio oder Alnatura findest du viele Lebensmittel um dich vegan zu ernähren. Kauf dir ein veganes Kochbuch und hole dir Ideen, die vegane Kochbücher schießen gerade aus dem Boden, wie Pilze :-) Vegan ist das neue Vegetarisch! Vielleicht überraschst du dann deine Freunde einfach mal mit einem tollen Essen, dann wird auch das Verständnis ein anderes.
      Gruß Bettina

    6. EddyMaus sagt:
      18. Juli 2013 - 20:50   

      Lieber Uli,
      klar, Zweifel und die ununterbrochene Werbung sind natürlich normale “vegan killer” wie ich sie nenne. Aber mal Hand auf’s Herz—fällst Du auf solche Tricks echt herein ???? Ein green Smoothie hat tausend mal mehr Power UND Licht als alles was ich bisher geschluckt habe…Brennesseln sind DER HAMMER !!! Und was Anderer (nicht Veganer) sagen, ist doch völlig ohne Sachkenntniss. Nur wer einmal eine Wochen einen Brennessel Smoothie ausprobiert hat—weiss wovon ich rede. ALLE TIERE – inclusive die süssen Echsen – werden es DIR danken—schon mal über das Gesetz der RESONANZ nachgedacht ???? Wer tötet/töten lässt der wird auch selbst getötet/lässt töten…
      Naturgesetz halt…
      Zum Thema Heilung: Nur diese Art won Ernährung hat mich von der heimtückischsten Krankheit (in mir Selbst) geheilt…

      gLG
      Deine K.E. Begleiterin
      immer wieder gerne

    7. Ulrich sagt:
      17. August 2013 - 23:39   

      Ihr habt mich überzeugt – ich mich selber übrigens auch:
      schaut Euch mal meinen neuesten Artikel an:
      http://www.veganiste.com/?p=1319

    Kommentare - vegane Ernährung